Altersbegleitende Leistungseinschränkungen und ihre Relevanz für das Autofahren

Michael Falkenstein

Institut für Arbeiten Lernen Altern
Hiltroper Landwehr 136, 44805 Bochum

E-Mail: falkenstein@ala-institut.de
Mit zunehmendem Alter treten Veränderungen in sensorischen, motorischen oder kognitiven Funktionen auf, die das alltägliche Leben beeinflussen und beeinträchtigen können. Von solchen altersbedingten Veränderungen sind insbesondere zeitkritische und mitunter komplexe Alltagstätigkeiten wie das Autofahren betroffen und können hier zu Risiken führen. Es besteht jedoch eine erhebliche interindividuelle Variabilität in dem Ausmaß solcher Veränderungen.

Von den sensorischen Funktionen ist für das Autofahren insbesondere die Sehfähigkeit von großer Bedeutung, welche im Alter in verschiedenen Aspekten deutlich abnimmt. Hier sind neben einer Verminderung der Sehschärfe die höhere Blendempfindlichkeit, sowie die Verschlechterung des Dämmerungssehens, der Bewegungswahrnehmung und der peripheren Wahrnehmung bedeutsam. Hierdurch ist bei Älteren besonders die Wahrnehmung seitlicher Objekte bei Dämmerung oder Dunkelheit erschwert.
Mit zunehmendem Alter lassen zudem verschiedene psychomotorische Funktionen nach, v.a. Muskelkraft, Bewegungsgeschwindigkeit sowie die Koordination von Bewegungen. Hierdurch ist z.B. die Bremszeit von Älteren erhöht  und die Spurhaltefähigkeit erniedrigt, v.a. unter Doppelaufgabenbedingungen.

Die meisten kognitiven Funktionen zeigen in Laborstudien mit zunehmendem Alter Beeinträchtigungen. Diese Funktionen sind generell relevant für das Autofahren, wie die visuelle Suche, der Wechsel der Aufmerksamkeit, die Unterdrückung (Inhibition) irrelevanter Informationen und inadäquater Reaktionen, die Detektion von Veränderungen im visuellen Umfeld sowie das Management der zeitgleichen Durchführung mehrerer Aufgaben. Zudem haben Ältere oft Probleme in komplexen Entscheidungssituationen. Sie berücksichtigen hierbei oft zu wenige Informationen und verlassen sich auf relativ einfache Entscheidungsstrategien. In schwierigen Verkehrssituationen unter Zeitdruck kann es aufgrund der genannten Funktionsbeeinträchtigungen zu Leistungseinbrüchen Älterer kommen.  Umso überraschender ist es, dass altersbegleitende kognitive Veränderungen in der Diskussion über die Fahreignung bzw. Fahrtüchtigkeit älterer Autofahrer bisher kaum berücksichtigt werden.

Trotz der genannten Leistungsbeeinträchtigungen zeigen ältere Fahrer im Realverkehr häufig eine gute Fahrkompetenz, was darauf zurückzuführen ist, dass sie mögliche Leistungsdefizite kompensieren. Bewusste Strategien sind langsames Fahren oder das Vermeiden des Fahrens schwieriger Strecken. Hinzu kommen unbewusste Mechanismen wie eine stärkere Vorbereitung und Beachtung relevanter Reize. Untersuchungen des Fahrverhaltens und der Unfallcharakteristik zeigen allerdings, dass Kompensationsbemühungen älterer Fahrer in komplexen und konflikthaltigen Verkehrssituation oft unzureichend sind und die Fehlerrate daher deutlich ansteigt. Zudem verfügen nicht alle ältere  Autofahrer über sinnvolle Kompensationsstrategien.
Motorischen und kognitiven Leistungsbeeinträchtigungen kann bei Älteren durch Trainingsmaßnahmen wie körperliches und kognitives Training erfolgreich entgegengewirkt werden so dass sich die Funktionen selbst verbessern. Zudem kann das Fahrverhalten in komplexen Situationen durch ein Fahrtraining im Realverkehr deutlich verbessert werden.

Fazit: Sensorische und motorische, aber auch bestimmte kognitive Funktionen lassen mit zunehmendem Alter nach, was eine Abnahme der Fahrkompetenz Älterer mit sich bringen kann. Personenzentrierte Gegenmaßnahmen sollten auf das Training motorischer und kognitiver Funktionen sowie auf ein Fahrtraining im Realverkehr fokussiert sein.